SUSE Linux 10

 

 



Fast sechs Monate ist es her, dass SUSE mit SUSE Linux Professional 9.3 eine neue Version der Distribution vorstellte. Nun liefert der Nürnberger Distributor das erste Release basierend auf dem neuen OpenSUSE-Projekt aus. Wie immer soll das Produkt das beste SUSE Linux aller Zeiten sein und vor allem durch einfache Installation und Bedienung überzeugen. Pro-Linux schaute sich die Distribution eine Zeitlang an und testete sie in einer produktiven Umgebung.


Von Mirko Lindner, Daniel Weigelt

Inhalt
    1. Lieferumfang
    2. Die Installation
    3. SUSE Linux 10 im Betrieb
        3.1. Konfiguration des Systems
        3.2. Der Desktop
        3.3. Hardware
        3.4. Ab ins Internet
        3.5. Officeanwendungen
        3.6. Multimedia
        3.7. Es muss nicht immer Gnome und KDE sein
    4. Fazit
    5. Referenzen
    6. Fakten

1. Lieferumfang

SUSE Linux 10.0
SUSE Linux 10.0

Entwickelt wurde SUSE Linux 10 durch das im August ins Leben gerufene OpenSUSE-Projekt, Novells Community-Initiative. Gerade hierin soll die Stärke der Distribution liegen, da Entwickler aus aller Welt dazu beitragen. Im direkten Vergleich zu OpenSUSE wurde SUSE Linux 10 um weitere Applikationen, Dokumentation und kostenlosen Support ergänzt.

Mit der Freigabe von SUSE Linux 10.0 schneidet Novell endgültig alte Zöpfe ab und liefert in der Tat ein fast komplett neues Produkt aus. Die Zahl der beigelegten Medien verringerte sich im Vergleich zur Vorgängerversion um eine DVD auf insgesamt fünf CDs und eine DVD. Eine Änderung erfuhr auch die Verpackung. Lieferte das Unternehmen noch die letzte Variante der Distribution in einem Plastik-Etui aus, finden in der neuen SUSE die Medien in einer Pappschachtel Platz.

Verkleinert wurde auch die Zahl der beigelegten Handbücher. SUSE Linux 10 kommt nur noch mit einem 313 Seiten starken Start-Handbuch, das der Thematik des Benutzerhandbuchs entspricht. Das umfangreiche und in der letzten Version knapp 770 Seiten zählende »Administrationshandbuch« wurde aus der Distribution entfernt. Was auch fiel, ist der Preis. Die Distribution kostet in der aktuellen Version 59 Euro.

Der winterliche Bootscreen von SUSE Linux 10
Der winterliche Bootscreen von SUSE Linux 10

Bei der Ausstattung der neuen Version gibt es nur wenig zu bemängeln und das Paket ist weitgehend aktuell. Sowohl Einsteiger als auch fortgeschrittene Anwender bis hin zu Programmierern finden hier alles, was gebraucht wird, auch wenn die Zahl der Pakete gegenüber der letzten Versionen stark nachgelassen hat.

Mit mehr als 1000 Paketen einschließlich Büroapplikationen, Internet-, E-Mail- und Multimedia-Software sowie Server-Diensten für Heimnetzwerke und Entwicklungswerkzeugen ist SUSE Linux 10 immer noch sehr mächtig ausgefallen. Zu den neuen Anwendungen gehören unter anderem KDE 3.4.2, GNOME 2.12, X.Org 6.8.2, GCC 4.0.2, Kernel 2.6.13 und glibc 2.3.5. Zu den weiteren neuen Anwendungen gehören zudem OpenOffice.org 1.9.125, Novell Evolution 2.4.0 samt Ximian Connector, GIMP 2.2.8, Inkscape 0.42.2 sowie Nvu 1.0. Für alle Entwickler liefert der Hersteller zudem KDevelop 3.2.2, Eclipse 3.1 sowie Mono 1.1.8 mit.

Eine Besonderheit vieler SUSE-Veröffentlichungen stellt die Integration kommerzieller Applikation in das Basis-System dar. Auch diesmal packt der Hersteller zusätzliche Software von Drittanbietern in das Paket. Bereits bei der Installation wird standardmäßig der Flash-Player von Macromedia zur Auswahl angeboten. Stimmt man den Lizenzbestimmungen nicht zu, die vor der Installation der Distribution eingeblendet werden, entfernt der Paket-Manager die Software aus der Auswahl. Weitere kommerzielle Programme, die ihren Weg in die Distribution fanden, sind RealPlayer in der Version 10.0.5, Moneyplex 5.0 sowie Demos von MainActor 5.5.7, TextMaker 2005.8.2 und Planmaker 2005.8.2.

2. Die Installation

Der Bootvorgang wirkt eleganter
Der Bootvorgang wirkt eleganter

Das Booten von DVD klappte bei unseren Systemen erwartungsgemäß problemlos. Im Startmenü stehen weiterhin folgende Optionen zur Auswahl: »Booten von Festplatte«, »Installation«, »Installation - ACPI ausgeschaltet«, »Installation - Sichere Einstellungen«, »Rettungssystem« und »Memorytest«. Dabei ist es sinnvoll mit F2 eine der 33 zur Verfügung stehenden Sprachen auszuwählen und mit F3 erweiterte Optionen, wie z.B. die Auflösungen, einzustellen.

Verändert hat sich dagegen der Startbildschirm. Im Pingus-Stil latschen kleine Pinguine mit Weihnachtsmützen durch den Bildschirm. Warum SUSE dieses Thema gewählt hat, ist uns nicht ganz klar, ist doch der Oktober ein schöner Herbstmonat. Aber das sollte nicht stören, also ging es zur Neuinstallation.

Eine PS2- und USB-Maus und ein Touchpad funktionierten bei allen unseren Systemen von Anfang an. Nachdem die Lizenzvereinbarung auf Englisch, abgesegnet wurde, kann sich der Benutzer zwischen Neuinstallation oder Aktualisierung entscheiden und anschließend die Region und die Zeitzone einstellen. Erfreulich ist hier, dass man auch die Zeit gleich einstellen kann, sollte der Rechner eine falsche Zeit haben.

Nun steht man vor der Wahl des Desktops. Zur Verfügung stehen »KDE«, »Gnome« und »Andere« (minimales grafisches System oder Textmodus). Erwähnenswert ist hier sicherlich, dass keine der Umgebungen vorausgewählt wurde und der Nutzer sich für eine entscheiden muss.

Die aufgeräumtere Installation überzeugt. Hier: Zeiteinstellung während der Installation
Die aufgeräumtere Installation überzeugt. Hier: Zeiteinstellung während der Installation

Der nächste Schritt widmet sich der Feineinstellung des Systems. Hier fällt zunächst die etwas spartanische Oberfläche auf. In einem Überblick werden die vorgeschlagene Partitionierung, die Softwareauswahl, sowie die primäre Sprache angezeigt. Erst ein Klick auf der Reiter »Experten« bringt eine komplette Liste der Einstellungsmöglichkeiten. Geändert hat sich hier nicht besonders viel. So bietet die Auswahl zusätzliche Konfigurationsmöglichkeiten zum Systemstart, dem System, der Tastaturbelegung, Zeitzone, Sprache, und des Standard-Runlevels an.

Bevor die Installation gestartet wird, muss noch der Lizenzvereinbarung für kommerzielle Applikationen zugestimmt werden. Danach ist erst einmal ein wenig Pause angesagt. Die Pakete werden installiert. Die Dauer, bis alle Pakete installiert sind, beträgt je nach Systemleistung mehrere Stunden. Dabei werden allgemeine Informationen oder Details zu jedem Paket, welches installiert wird, und die ungefähre Restzeit angezeigt.

Sind alle Pakete eingespielt, beginnt die Feinkonfiguration des Netzwerks. Die Unterschiede der Konfigurationsdialoge fallen im direkten Vergleich zu SUSE 9.3 eher gering aus. Die Netzwerkeinstellung wurde ein wenig aufgeräumt, funktionell ist sie aber der alten Version gleich. Ferner wurde die Konfiguration von DSL-, ISDN- und Modem-Schnittstellen überarbeitet und gestaltet sich ein wenig logischer. Die Konfiguration von VNC erlaubt nun auch eine Einstellung der Proxys und bei der Eingabe der Proxys unter dem Menüpunkt »Proxy-Konfiguration« ist auch die Bestimmung von HTTPS-Proxys möglich.

Anschließend wird die Internetverbindung getestet und aktuelle Release-Notes werden herunterladen. Falls gewünscht, werden auch die letzten Updates abgefragt. Ferner besteht die Möglichkeit, ein Online-Update zu starten, bei dem bereits mehrere aktualisierte Pakete und die Microsoft TrueType Core Fonts installiert werden können.

Nun geht es weiter mit dem Anlegen der User. Nach einem Update der Konfiguration werden die »SUSE Linux 10.0 Release Notes« angezeigt, auch wieder auf Englisch. Das letzte Schritt betrifft nun die Hardware-Konfiguration, die fast schon obligatorisch problemlos verlief. Die vorhandene Hardware wurde korrekt erkannt. Auch hier wurden die Dialoge größtenteils aufgeräumt. Funktionell wurde kaum etwas geändert.

Das Aussehen des Boot-Vorgangs wurde fast schon obligatorisch geändert. Aber auch an der Geschwindigkeit wurde gearbeitet. Im direkten Vergleich zu SUSE 9.3 bootet die Default-Distribution erheblich flotter. Bei einem Test auf zwei verschiedenen Systemen konnten in beiden Fällen eine Steigerung der Geschwindigkeit von ca. 30 Prozent beobachtet werden.

3. SUSE Linux 10 im Betrieb

3.1. Konfiguration des Systems

Kleinere Icons und der Wegfall des oberen Banners machen YaST ein wenig übersichtlicher. Hier: Vergleich zwischen Yast aus SUSE 9.3 (oben) und SUSE 10 (unten)
Kleinere Icons und der Wegfall des oberen Banners machen YaST ein wenig übersichtlicher. Hier: Vergleich zwischen Yast aus SUSE 9.3 (oben) und SUSE 10 (unten)

Das zentrale Tool für alle möglichen Einstellungen ist Yast. Egal ob es um die die Installation von Software geht, die Einrichtung von Hardware oder die Benutzerverwaltung, an Yast führt kein Weg vorbei. Man sollte aber genau überlegen, was man tut, denn falsche Einstellungen führen nicht selten zu unliebsamen Resultaten.

Das Tool wurde gegenüber der letzten Version im Aussehen verändert. Die obere Leiste musste in SUSE Linux 10 weichen, was mehr Platz für Dialoge mit sich bringt. An der Geschwindigkeit des Tools hat sich kaum etwas verändert. Yast verrichtet seine Arbeit im Vergleich zu anderen Distributionslösungen immer noch relativ gemächlich. Hinzu kommt noch, dass die Anwendung ein wahrer Freund von multilingualer Bedienung zu sein scheint. Nicht selten trifft man auf einen Dialog, der zu Hälfte auf Deutsch und zur Hälfte auf Englisch erstellt wurde.

Die wohl größte Änderung von Yast stellt die Implementierung von »Novell AppArmor« dar. Bei der ursprünglich von Immunix entwickelten Software handelt es sich um ein System zur Eindringlingsabwehr, das sowohl das Linux-Betriebssystem als die Linux-Anwendungen gegen externe Angriffe, Viren und andere Schadprogramme schützen soll. Dadurch kann laut Novell das Bedrohungspotenzial für ein Unternehmen minimiert werden. AppArmor verhindert unter anderem durch definierte Regeln für populäre Applikationen die Ausführung bestimmter Funktionen einer Applikation. Weitere Regeln können mittels Wizards erstellt werden.

Auch SaX2 musste sich einem Facelifting unterziehen
Auch SaX2 musste sich einem Facelifting unterziehen

Ein weiteres neues Modul für Yast stellt ein PCI-Gerätetreiber-Modul dar. Mittels der neuen Funktionalität lassen sich zusätzliche PCI-IDs zu einem Treiber hinzufügen, um seine interne Liste zu erweitern. Besonders nützlich ist das bei Treibern, die viele Karten unterstützen und nicht alle IDs der aktuellen Modelle enthalten.

Das dritte von der Partie der neuen Werkzeuge ist das PostgreSQL-Werkzeug. Das Tool ermöglicht die Konfiguration von Daten-Clustern und ermöglicht, mehrere Datenbanken zu einer Instanz zusammenzufügen.

Das für die Einstellung der Grafikkarte zuständige Tool »Sax« erfuhr ebenfalls Neuerungen. Das Werkzeug wurde komplett neu gestaltet und sieht frischer und professioneller aus. Die gängigsten Funktionen sind schnell erreichbar und die Arbeit gestaltet sich intuitiver. Sieht man von dem Aussehen ab, wurden allerdings hier funktionell kaum Neuerungen eingeführt.

3.2. Der Desktop

Der Defaultdesktop der Distribution unter KDE
Der Defaultdesktop der Distribution unter KDE

Begrüßt wird man durch viel grüne Farbe von einem Chamäleon als Hintergrundbild. Auf dem Desktop befinden sich Symbole für Arbeitsplatz, Netzwerkbrowser, Papierkorb, Drucker sowie für Firefox und OpenOffice. In der Taskleiste des KDE-Desktops sind neben dem grünen Startknopf einige nützliche Symbole für untergebracht, u.a. für den Home-Ordner und den Konqueror. Außerdem der KDE-Arbeitsflächenumschalter sowie natürlich die Fensterleiste. Die komplette Taskleiste lässt sich individuell konfigurieren.

Das Startmenü ist, wie bei SUSE gewöhnt, sehr aufgeräumt. Obwohl es unzählige Einträge hat, sind diese in Untermenüs ordentlich gruppiert, so dass man sehr schnell das benötigte Programm finden kann. Hinzu gekommen ist auch eine kleine Suche im oberen Bereich des Startmenüs, die das Finden der gewünschten Applikationen enorm erleichtert.

Als Desktopthema wurde der Plastik-Stil gewählt, gepaart mit der Fensterleiste von SUSE in angenehmen Farben. Über das Kontrollzentrum kann man verschiedene Designs wählen, aber auch bei Bedarf Thema, Fensterleiste, Farben etc. einzeln konfigurieren.

3.3. Hardware

Blau macht glücklich - Der Login
Blau macht glücklich - Der Login

Nach dem Start sollte gleich noch einige Hardware installiert werden. Als erstes der Drucker - ein EpsonStylus PHOTO R200. Als das USB-Kabel einsteckt wurde, ging sofort ein Fenster auf, das meldete, dass eine neue Hardwarekomponente erkannt wurde und ob sie installiert werden soll. Na, aber sicher doch! Nach der der Eingabe des root-Passwortes wurde das entsprechende Yast-Modul gestartet. Dort konnte der Drucker direkt konfiguriert werden, wobei die Einstellungen selbsterklärend waren. Das Gerät funktionierte danach wie gewünscht. Das Drucker-Icon auf dem Desktop öffnet übrigens den KjobViewer, welcher die Druckaufträge anzeigt.

Nun sollte der Scanner ran. Leider werden nicht alle Scanner von Linux unterstützt, eine Liste gibt es unter sane-project.org. Unser Testgerät war ein Canon »CanoScan LIDE 20«. Hier passierte nach dem Anstecken des USB-Kabel erst einmal nichts. Also startet man Yast manuell und wählt das Modul »Scanner« unter »Hardware« aus. Der entsprechende Scanner musste zwar aus einer sehr umfangreichen Liste selbst ausgewählt werden, die restliche Installation lief aber automatisch ab. Ein erster kurzer Test mit Kooka bzw. xsane verlief zur vollen Zufriedenheit.

Nun fehlte nur noch die Digitalkamera. Über USB angeschlossen kam die Frage, ob die USB-Disk geöffnet werden sollte. Der Lese- und Schreibzugriff funktionierte sofort mit voller USB-2-Geschwindigkeit.

3.4. Ab ins Internet

Novell AppArmor
Hier wird mittels des neuen Moduls "Novell AppArmor" die Screenshot-Funktion von GIMP abgeschaltet

Für das Surfen im Web stehen verschiedene Browser zur Verfügung: Firefox in der aktuellen Version 1.0.7, Konqueror, Mozilla (1.7.12) sowie Epiphany für Gnome (1.8.0). Alle waren eingerichtet und funktionsfähig. Für Emails gibt es ebenfalls mehrere Programme. Das Startmenü stellt eine große Auswahl an Programmen auch für andere Internetanwendungen zur Verfügung, wie z.B. Chatten, News und RSS. Als grafischen FTP-Client liefert SUSE leider nur KBear mit, der vor allem durch seine Instabilität auffällt. Da führt kein Weg daran vorbei, sich nachträglich ein anderes Tool zu besorgen, gftp ist dabei eine gute Alternative.

3.5. Officeanwendungen

OpenOffice.org als Novell-Edition in der Version 1.9.125.1.2 wurde bereits erwähnt. Das ist nicht ganz die aktuellste Version. Zum Erscheinungstermin von OpenSUSE gab es bereits den Release-Kandidat 1, da muss man aber den Entwicklern einen gewissen Zeitraum bis zur Integration zugestehen. Die Version 1 von OpenOffice.org ist nicht mehr vorhanden. Außerdem sind noch KOffice (1.4.1), einige Programme von SoftMaker und diverse weitere Officeprogramme wie Abiword (2.2.9) vorhanden.

Die Suche in Office-Dateien mittels Beagle klappt problemlos. Die Desktop-Suchmaschine wurde vorbildlich in das System integriert und verrichtet ihren Dienst auch unter KDE. Ein Klick auf »Im Dateimanager öffnen« öffnet zum Beispiel unter KDE auch den Konqueror.

3.6. Multimedia

Auch unter SUSE Linux 10 mag der Player keine DVD- und Windows-Codecs abspielen
Auch unter SUSE Linux 10 mag der Player keine DVD- und Windows-Codecs abspielen

Beim Einlegen einer Film-DVD startete zwar Kaffeine, es zeigte aber auch sogleich an, welche Codecs alle fehlten. Dass diese nicht vorhanden sind, liegt hier aber nicht an SUSE, sondern an lizenzrechtlichen Gründen. Wer allerdings ein wenig sucht, kann die benötigten Pakete schnell im Internet finden. Das selbe gilt leider auch für andere Videoformate wie .wmv und .mpg. Auch hier müssen die entsprechenden Dateien in Eigenregie vom Netz heruntergeladen und installiert werden.

Ein wenig besser sieht es mit MP3-Dateien aus. Das Abspielen des Formats mittels amaroK funktionierte von Anfang an, obwohl die Unterstützung in früheren Betaversionen und in SUSE 9.3 erst per Online-Update nachgeladen werden musste. SUSE scheint allerdings die Implementierung von MP3 nicht durchgehend eingeschaltet zu haben. Manch eine Applikation, die MP3 beherrscht, will das Format unter SUSE Linux 10 nicht verstehen. So beherrscht das Brennprogramm k3b keine Umwandlung in MP3. Interessant ist auch der Hinweis im Dokumentenverzeichnis, dass die Distribution MP3 wegen der lizenztechnischen Problematik nicht unterstützt.

Die Unterstützung von Multimedia-Formaten im Browser ist vorbildlich für ein Desktop-System. Sowohl Java als auch Flash verrichten ihren Dienst anstandslos. Einzig das Abspielen von typischen Windows-Codecs im Browser ist aus den bereits erwähnten Gründen nicht möglich.

3.7. Es muss nicht immer Gnome und KDE sein

Für manche gilt Gnome und KDE als zu bunt und überladen. SUSE wäre keine wirkliche Linuxdistribution, wenn nicht andere Window-Manager mitgeliefert würden. Blackbox, fvwm, IceWM, mwm, Openbox, Windowmaker... Die Auswahl ist groß. Genauso wie die zwei Desktop-Umgebungen präsentieren sie sich aufgeräumt und gut vorkonfiguriert mit vollen, aber übersichtlichen Menüs. Hier gibt es nur wenig zu bemängeln, auch wenn die Konfiguration erfahrungsgemäß nicht optimal ist und von Kennern der Window-Manager sicherlich noch nachgebessert wird.

4. Fazit

Die Weiterentwicklung von SUSE 9.3 zu OpenSUSE 10.0 und schließlich zu SUSE Linux 10 ist solide. Das System enttäuscht nicht, überrascht aber auch nicht. Revolutionäre Neuerungen sind kaum vorhanden. Hauptsächlich wurde an Details, Aktualisierungen und dem Aussehen gearbeitet. Die Integration von AppArmor und iFolder gefällt und zeigt die zukünftige Ausrichtung von Novell Richtung Enterprise-Desktop und -Server. Hier darf man auf die weiteren Neuerungen gespannt sein.

Wie schon lange bei SUSE gewöhnt, ist die Konfiguration sehr einfach. Selbst als Anfänger sollte es kein Problem sein, sich schnell zurechtzufinden, ein wenig Lernwillen vorausgesetzt. Denn es gibt eine Menge zu entdecken, wenn auch so manches Programm durch den Wegfall einer zweiten DVD nachinstalliert werden muss. So fehlt zum Beispiel Superkaramba im Lieferumfang von SUSE Linux 10 komplett. Hier können aber sicherlich externe Quellen wie das Projekt superSUSE und Suchmaschinen wie RpmSeek Abhilfe schaffen.

Problematisch stellt sich immer noch die Einbindung von Multimedia dar. Weder DVD noch Windows-Codecs funktionieren. Die Integration von MP3 ist immer noch nicht perfekt, aber ein wichtiger Schritt in eine richtige Richtung. Vor allem Anfänger waren mit der Installation der fehlenden Funktionen der letzten SUSE-Versionen überfordert.

SUSE Linux 10 ist und bleibt auf jeden Fall eine sehr gute Einsteigerlösung. Das System ist gut konfiguriert und kann auch problemlos von Windows-Umsteigern genutzt werden. Hinzu kommt eine ausführliche Hilfe im KDE-Hilfe-Zentrum. Die freie Verfügbarkeit von OpenSUSE ermöglicht zudem einen problemlosen Test der Distribution, auch wenn OpenSUSE nicht über den vollen Umfang von SUSE Linux 10 verfügt und ohne kommerzielle Beigaben wie Java oder Flash kommt. Wer auf eine gedruckte Dokumentation Wert legt und auf kommerzielle Beigaben nicht verzichten möchte, kann auch OpenSUSE und die kommerziellen Anwendungen in Form eines 72 Seiten starken Buches beim Millin-Verlag erwerben.

Ganz ohne Bugs läuft es aber aber auch bei der neuen SUSE nicht. Unter https://bugzilla.novell.com/ kann man sich bereits gemeldete Fehler anschauen bzw. neu gefundene melden.

5. Referenzen

SUSE Linux Homepage:

http://www.novell.com/de-de/linux/suse/

OpenSUSE-Projekt:

http://www.opensuse.org/

superSUSE-Projekt:

http://www.slo-fi.de/linux/index.html

SUSE-Download:

http://www.pro-linux.de/news/2005/8724.html

6. Fakten

Titel: SUSE Linux 10
Hersteller: Novell
Verfügbarkeit: Mitte Oktober 2005
Lieferumfang: pre-Installation R 1.200,00

Preis: volle Installation R 2.500,00


Copyright (C) Mirko Lindner (demon), Daniel Weigelt
Erschienen auf Pro-Linux, letzte Änderung 2005-10-26



 

 

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